HISTAMINKOPFSCHMERZ
Histaminkopfschmerzen
Weitere gebräuchliche Bezeichnungen für den Histaminkopfschmerz sind: Erythroprosopalg ie, Hor ton Neuralg ie, Zil iare Neuralg ie und Cl uster-Kopfschmerz.
Bezüglich der Pathogenese (= Krankheitsentwicklung) scheint dem His tamin (= ein biogenes Amin, das allergische En tzündungen fördert) eine besondere Rolle zuzufallen, deshalb auch die Bezeichnung Histaminkopfschmerz.
Haupt- und Leitsymptom
(= hauptsächliches und richtungsweisendes Krankheitszeichen)
beim Histaminkopfschmerz
ist ein streng einseitig, in
aller Regel periorbital
(= um das Auge herum)
oder frontotemporal
(= Stir n-/Schlä fenbereich)
in Attacken und vorwiegend nachts auftretender Kopfschmerz von unerträglicher
Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden.
Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben.
Typischerweise, jedoch nicht obligat (=
zwingend), kommt es zu Tränenfluß und konjunktivaler
Injektion (= Rötung
des Auges),
evtl. begleitet von Miosis
(= Engstellung der Pupille)
und Ptosis (partielles Hor
ner-Synd
rom)
(= Verengung der Lidspalte)
und Rhinorrhoe (=
Nasenträufeln)
als Begleitsymptome.
Manchmal treten auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu
Verwechslungen mit der Migräne führen kann.
Im Gegensatz zu Migränepatienten
sind Patienten mit einem Histaminkopfschmerz (chronischer und episodischer)
eher motorisch unruhig und
laufen während der Attacke umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als
bei Migränikern. Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme
Schmerzintensität können zur Verwechslung mit der Trigeminusneuralg
ie
Anlaß
geben. Triggermechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer- und
Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, His tamin
und Nitroglyzerin, öfters
aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von
Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die
Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können.
Der Histaminkopfschmerz tritt hpts. in zwei Formen auf:
Episodischer Histaminkopfschmerz, gekennzeichnet durch den Wechsel von Perioden mit Schmerza ttacken und beschwerdefreien Phasen und
chronischer Histaminkopfschmerz: die kopfschmerzfreien Intervalle sind stets kürzer als zwei Wochen
Männer sind von einem Histaminkopfschmerz viel häufiger betroffen als Frauen (im Verhältnis 3:1). Die Kran kheit beginnt in der Regel im mittleren und höheren Lebensalter. Bei 20 % der Patienten finden sich andere Kopfschmerzan fälle in der Familie, bei 7% der Fälle leiden Familienangehörige ebenfalls unter einem Histaminkopfschmerz. Insgesamt kommt der Histaminkopfschmerz selten vor, betroffen sind etwa ein Prozent der Bevölkerung.
Therapie der akuten Sch merzattacke
beim Histaminkopfschmerz:
Wegen der häufig
kurzzeitigen Attackendauer kommen beim Histaminkopfschmerz meist nur solche Methoden zur Anwendung, die
innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale
(= Tabletten, Tropfen)
und rektale (=
Zäpfchen)
Applikation von z.B. Ergotam in ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll.
Die Inhalation von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode
zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist
nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum
häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können.
Im
Gegensatz zur akuten Migränea ttacke
spricht der akute Histaminkopfschmerz
in der Regel auf eine therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika)
an. Bewährt hat sich die Blockade der schmerzseitigen
Ner ven
supraorbitalis (ca.
1 ml), supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und
die großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im St irn-
/Sch
läfenbereich.
Der Supraorbitalnerv
(in der Augenbraue)
kann auch kontinuierlich mit Katheter (* siehe unten) betäubt werden. Bei
Schmerzausstrahlungen in den O
berk iefer
muß der N. infraorbitalis ebenfalls
blockiert werden (1-2ml).
Das Lokalanästhetikum
(= örtliches Betäubungsmittel)
der ersten Wahl ist bei uns Bupivacain 0,25-0,5% (z.B. Carbostesin®). In hartnäckigen
Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal
täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären Bedingungen
durchführbar ist.
Wiederholte Blockaden des Gangl ion stella tum
(= vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
bzw. auch des Gangl ion cerv icale superius
(= vegetative Schaltstelle im Rachenbereich) mit einem
langwirkenden Lokalanästhetikum können ebenfalls sehr hilfreich sein.
Empfohlen wird
auch eine nasale (= in
die Nase)
Instillation von 1 ml 4%iges Lidocain (Xylocain®) bei 45 Grad rekliniertem (=
im Nacken überstreckt)
und
30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem Kop f (Pfaffenrath 1988).
Wirksam
ist beim Histaminkopfschmerz
auch Ergotam in. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein ergotaminbedingter
Dauerkop
fschmerz
ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann
auch Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl.
kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®).
Das Migränetherapeutikum
Sumatriptan (Imigran®, bzw. auch andere Triptane**) ist auch beim Histaminkopfschmerz sehr wirksam, insbesondere subkutan
(= unter die Haut) verabreicht (6
mg) (auch mit Autoinjektor vom Patienten selbst injizierbar), ansonsten 100mg
oral (= zum Einnehmen). Bei Wiederauftreten von Schmerzen maximal zwei Applikationen
(= Verabreichungen)
in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in
den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von
Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen
1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt für alle
Triptane**) allerdings erst dann
zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Prophylaxe (= Vorbeugung) beim Histaminkopfschmerz:
Als Mittel der Wahl gilt der
Calcium-Antagonist Verapamil (z.B. Isoptin®) (= eigentlich ein Mittel gegen
hohen Blutdruck, aber auch beim Histaminkopfschmerz wirksam). Dosierung: bis zu 3-4x 80
mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von
Verapamil beim Histaminkopfschmerz ist unbekannt.
Neue Dosierung:
In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei Histaminkopfschmerz
mit gutem Erfolg sehr viel
höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial
(= zu Beginn)
unter ständiger RR- und
Pulskontrolle.
Als Mittel der 2. Wahl kann beim Histaminkopfschmerz
Lithium empfohlen werden (z.B. Hypnorex®,
Quilonum®) (=
eigentlich ein Mittel gegen die Depression, aber auch zur Vorbeugung bei
Histaminkopfschmerz
wirksam). Lithium soll
bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels beim Histaminkopfschmerz
wirksam sein.
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des
therapeutischen Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine
Kortikoid-Behandlung versucht werden, z.B. mit Prednisolon®. Empfohlene
Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung
um weitere 10mg reduzieren.
Der Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®)
kann auch zur Histaminkopfschmerz -Prophylaxe verwendet werden.
Teilweise wird empfohlen, zur Prophylaxe eines Histaminkopfschmerz
es regelmäßig täglich
Ergotam in zu verabreichen. Wegen der Gewöhnungsgefahr und der
hohen Wahrscheinlichkeit, damit den gefürchteten Ergotam in-Kopfschmerz zu
induzieren, muß davor dringend gewarnt werden.
Zur Prophylaxe des Histaminkopfschmerz es (chronischer und episodischer) hat sich nach unserer Erfahrung auch die wiederholte therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der ipsilateralen (= gleichseitigen) Okzipi talregion (= Hinterkop f) Schmerzen angegeben; in diesem Fall blockieren wir dann auch die Ner ven occipitales major et minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Sch merzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich zu sistieren.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen beim
Histaminkopfschmerz:
Anders als z.B.
bei der Mig
räne spielen beim Histaminkopfschmerz
psychische Faktoren
eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen
empfohlen werden können, so z.B. ein
Schmerzbewältigungstraining.
Transkutane
Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden haben
beim Histaminkopfschmerz
nur selten einen positiven Effekt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Nerven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.
** Weitere Triptane: Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,) Naratriptan (Naramig®), Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und seit 2002 Eletriptan (Relpax®).
A
Achillobursitis,
Achillodynie,
Achillessehnenentzündung,
Adoleszentenkyphose,
Algogenes Psychosyndrom,
Algurie,
alkoholische Polyneuropathie,
Amputation,
Analgetikakopfschmerz,
Anfall bei
Migräne,
ankylosierende Spondylitis,
Apoplexia, Apoplexia cerebri,
Apoplex (1),
Apoplex (www.apoplex.biz)
(2), Armschmerz,
arterielle Durchblutungsstörungen
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Arthritis urica,
Arthropathien,
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Arthrosen,
Arthrose im Knie,
Arthrose (in) der Schulter,
Attacke bei
Migräne, Atypischer Gesichtsschmerz,
B
Baastrup,
Bandscheibenschmerz,
Bandscheibenprolaps (www.bandscheibenprolaps.com)(1),
Bandscheibenprolaps (www.lumbalgie.de/bandscheibenprolaps)(2),
Bandscheibenvorfälle,
Bandscheibenvorwölbung,
Bandscheibenvorfall (www.bandscheibenvorfall.biz)(1),
Bandscheibenvorfall (2),
Basilarismigräne,
Bechterew,
Beckenschmerz,
Behandlung bei
Krebsschmerz,
Beine-offene,
Beingeschwür,
Beingeschwüre,
Beinschmerz,
Beschleunigungsverletzung,
Blasenentzündung (www.xn--blasenentzndung-8vb.com),
Bouchard-Arthrose,
Borrelieninfektion,
Borreliose
(www.bor-reliose.de),
Brustschmerz,
Brustentfernung,
Bursitis (www.bur-sitis.de),
Bursitis calcarea,
Bursitis olecrani,
Bursitis subacromialis,
Bursitis trochanterica,
Brustwirbelsäulensyndrom
C
Calcaneodynie,
Cephalgie (1),
Cephalgie (2),
Cervicobrachialgie,
Chondropathia patellae,
chronische Gastritis (www.magenschmerz.de),
chronische
Sehnenscheidenentzündung,
Claudicatio intermittens,
Colitis-ulcerosa (www.bauch-schmerz.de/colitis-ulcerosa),
Colon irritable (www.colon-irritable.de),
Coxalgie,
Coxarthrose,
Coxitis,
craniomandibuläre
Dysfunktion,
D
Deafferenzierungsschmerz,
Diabetische Neuropathie,
Diabetische Polyneuropathie
(www.brennschmerzen.de/diabetische-polyneuropathie.de),
Diabetischer Fuß (www.fuss-diabetischer.de),
Discopathie,
Discusprolaps,
Diskopathie,
Diskushernie,
Durchblutungsstörung (www.durchblutungs-stoerung.de),
E
Ehrlichiose
(www.ehrlich-iose.de),
Eitrige
Arthritis,
Entzündung der Knochenhaut,
Entzündung des Knochens,
Entzündung von Knochenmark,
Entzündung
der Sehnenscheide,
Entzugskopfschmerzen,
Enzephalomyelitis (www.enzephalomyelitis.de), chronische
Epikondylitis,
Epicondylitis (www.epi-condylitis.de),
Epicondylopathie,
Ergotismus,
Epikondylopathie,
F
Fasziitis,
Fasziitis plantaris,
Fersenschmerz,
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Fersensporne,
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G
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H
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L
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Lymphödem,
Lymphödeme
M
Mammaamputation,
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P
Paroxysmale Hemikranie,
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Peitschenschlagsyndrom,
Periarthritis
humeroscapularis,
Periostitis,
Periphere arterielle
Verschlußkrankheit,
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Polyneuropathien,
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Psychologische
Schmerzbehandlung,
Pudendusneuralgie
Q
Querschnittsyndrom
R
Raucherbein,
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Reflexdystrophie,
Reizcolon,
Reizdarm,
Reizdarmsyndrom,
Restless legs,
rheumatoide Arthritis,
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S
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Spondylitis
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Ulzera cruris,
V
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W
Wadenkrampf (www.wadenkrampf.org),
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Weichteilrheuma
(www.weichteilrheuma.com),
Wirbelsäulenverbiegung,
Wirbelsäulenverkrümmung
(www.wirbelsaeulenverkruemmung.de)
Z
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zervikaler Bandscheibenvorfall,
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Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie),
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Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
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